Nebenwirkungen der Psychotherapie

Wirkung und Nebenwirkung von Psychotherapie

Allgemein

Eine wirkungsvolle Psychotherapie bringt manchmal neben den erreichten Fortschritten für den Patienten auch unerwünschte Nebenwirkungen mit sich. Diese können sehr vielschichtig sein, wie der folgende Artikel aufzeigt. Nur wenige Psychotherapieschulen befassen sich auf wissenschaftlichem Niveau mit solchen Begleiterscheinungen; einzig die systemische Therapie widmete sich von Anfang an konsequent den interaktionellen Wechselwirkungen im häuslichen System der Patienten. Diese wichtige Perspektive wird auch bei uns in der Valere Klinik konsequent berücksichtigt.

Ein Beispiel aus der Praxis:

Frau A. lebte in einer Beziehung, die durch die Grobheiten ihres Mannes geprägt war, und es gelang ihr über Jahre nicht, sich dagegen zur Wehr zu setzen. So entwickelte sie mit der Zeit deutliche somatische Symptome wie Magenschmerzen und Verdauungsprobleme. Sie fühlte sich zuhause mehr und mehr unter Stress, zumal die Ärzte zunächst keine klare Diagnose stellen konnten. Frau A. bemühte sich weiterhin, allen in der Familie gerecht zu werden und die Situation möglichst nicht eskalieren zu lassen, auch wenn ihre Erschöpfung immer klarer zutage trat. Schließlich wurde sie, kurz vor einem deutlichen Burnout, zur Psychotherapie überwiesen.

Hier machte Frau A. rasch Fortschritte, wurde selbstbewusster und bot ihrem Mann anfangs nur zögerlich, dann immer konsequenter Widerstand, sobald sie ihn als grob oder verletzend wahrnahm. Die positive (Primär-)Wirkung der Psychotherapie trat also voll und ganz ein; die zuvor beklagten Stress- und Burnout-Symptome gingen signifikant zurück.

Eines Tages dann kam Frau A. sichtlich geschockt zum Gesprächstermin: vor zwei Tagen sei sie von der Arbeit nach Hause gekommen und habe eine leere Wohnung vorgefunden. Ihr Mann habe lediglich einen Zettel hinterlassen: „Ich heiratete eine Frau, die sich unterordnen konnte; die habe ich aber verloren. Jetzt hast du mich verloren.“  Mit einer solchen „Nebenwirkung“ habe sie in keinster Weise gerechnet. Einerseits wolle sie ihn nicht verlieren, andererseits könne sie sich auch nicht mehr einfach unterordnen.

Gemeinsam mit dem Therapeuten wurde beratschlagt, ob sie zunächst einen Klinikaufenthalt absolvieren solle, um sich seelisch wieder zu stabilisieren. Da sie zwei halbwüchsige Kinder zu versorgen hatte, entschied sie sich für eine stationäre Intensivtherapie, wo sie dank der passgenau auf sie zugeschnittenen Therapieformen  in kurzer Zeit ihre seelischen Ressourcen wieder aufbauen konnte. Sie kehrte gestärkt nach Hause zurück. Es gelang ihr, innerhalb weniger Monate ihre Angelegenheiten zu regeln und den Kontakt zu ihrem Mann wieder aufzunehmen. Anfangs habe er sehr misstrauisch reagiert, doch sie habe mittlerweile gute Gespräche mit ihm führen können und er beginne langsam, sich ihr gegenüber respektvoller zu benehmen. Sie wisse nun viel besser als früher, was sie in einer Beziehung brauche, um Stress-Symptome und Burnout zu vermeiden und möglichst friedvoll und glücklich zu leben. Genau  dafür werde sie sich weiterhin konsequent einsetzen – oder notfalls die endgültige Trennung in Kauf nehmen.

An einem solchen Beispiel wird klar, wie wichtig und sinnvoll es ist, mit den Patienten so früh  wie möglich  – und gegebenenfalls eben auch während der laufenden Therapie immer wieder – darüber zu sprechen, wie die möglichen Folgen einer angestrebten Verhaltensänderung (sprich: einer erfolgreichen Psychotherapie) aussehen können. In der Valere Klinik bei Sankt Blasien im Südschwarzwald nehmen wir uns Zeit und  eruieren zusammen mit unseren Patienten ausführlich, welche systemischen „Risiken und Nebenwirkungen“ die Psychotherapie mit sich bringen kann und wie sie dann am besten damit umgehen.

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