Erfahrungsbericht Hospitation von Sonja Hecht

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

Im Juni 2016 habe ich für 10 Tage in der Valere-Klinik hospitiert. Meinen Eindruck möchte ich mit Euch/Ihnen teilen.

Die Klinik liegt auf einer Anhöhe, die man durch verwunschene Wälder und schmale Landstraßen erreicht, die sich um urige Felsen winden… Die Aussicht von der Klinik selbst ist atemberaubend und geht bis in die Schweizer Berge, wenn man nicht gerade in einer Wolke hängt. Sie liegt am Rand eines Weilers auf einer Anhöhe. Das Haus selbst fand ich real viel ansprechender, als auf der Internetseite mit den Geranienkästen….

Aber zum Thema Therapie. Ich war ja erst einmal skeptisch. Obwohl ich Walter Hofmann und seine Therapie und Theater gut kenne, dachte ich mir, ob er sich da nicht übernimmt, chronifizierte Traumabehandlung in 12 Tagen behandeln zu wollen… Eben die gesunde Skepsis einer möglicherweise neoliberalen Tendenz (Ertragsoptimierung durch Verkürzung der stationären Unterbringung) gegenüber… 

Ich  hatte Gelegenheit 10 Tage von morgens 7 bis 20,30 h an den Gruppentherapien teilzunehmen. Im Anschluß findet die Teamsitzung statt.

Der Tag beginnt mit 1 Stunde Frühsport oder Meditation.
Die Tage sind bis auf den letzten so strukturiert, dass jeweils Gruppentherapie parallel dazu die Einzeltherapie angeboten werden. Die Gruppe hat also den ganzen Tag über Gruppentherapie!!!! und pro Patient eine tägliche Einzelsitzung!

Spätestens nach dem 1. Tag wurde mir klar, dass es sich nicht um ein neoliberales Konzept handelt, sondern um das Gegenteil! Das Angebot der Valere bietet ein Vielfaches an Intensität und Einsatz der Therapeuten! 

Die Therapeuten sind ein erstklassiges Team. Vereint in ihrer Liebe zu den Menschen, in ihrem Respekt und ihrer Achtsamkeit. In bedingungsloser Annahme des Gegenübers. Da wird nur nach Auftrag gearbeitet, will heißen, der Patient formuliert sein Anliegen und genau daran wird dann mit Hilfe der Gruppe gearbeitet. Das gibt Sicherheit und bewirkt bei den Patienten, dass sie sich nach kurzer Zeit in ihrer Stärke spüren. Selbst dann, wenn die aktuelle Lebenssituation hoffnungslos erscheint. Und es bewirkt weiter, dass die Patienten sich selbst und untereinander liebevoll zuwenden. Dieser Prozess wird noch unterstützt durch die spezifische Technik der Therapeuten, die die Themen erlebbar und fühlbar machen. Sie beruhen auf der Gruppeninteraktion und gegenseitiges Zumuten und die wundervolle Erkenntnis daraus, ich bin gehalten und ge-/ er-tragen.

Ich durfte in den 10 Tagen eine Patientin erleben, die nach schwerster Entwicklungstraumatisierung kaum kontaktfähig war, ständig in verschiedene Ego-States switchte und die Gruppe mit ihren logorrhöischen Nachfragen auf eine harte Probe stellte. Die Frau, die wir danach verabschiedet haben war gut im Kontakt mit sich und mit ihrer Umgebung, hatte Humor anderen und vor allem auch sich selbst gegenüber entwickelt (wo vorher reflexhafte Selbstabwertung war). Sie hat gelernt sich selbst, mit ihren Gefühlen und Wünschen wahrzunehmen und sie hat die Klinik mit einer möglichen Vision ihres zukünftigen Lebens verlassen. Man muss es gesehen haben, um diese Entwicklung nachvollziehen zu können!

Jetzt hätte ich fast noch einen weiteren, sehr wichtigen Aspekt der Klinik vergessen. Helga! Die Hauswirtschafterin, tatsächlich aber die Seele des Hauses, die weibliche Seite! Immer ansprechbar immer zugewandt und mit überbordender Energie gesegnet!

Meine Hoffnung für Valere ist, dieses einzigartige Angebot möge Schule machen! Der Ansatz ist genau das, was ich mir für meine Patienten wünsche, wenn ich an stationäre Unterbringung denke.

Lasst uns alle zusammen helfen, das Valere-Konzept zu erhalten und bekannt zu machen!

Ich habe heute früh gelesen, Walter suche eine weitere weibliche Therapeutin, das freut mich von Herzen! Dann steigt die Nachfrage und die Gruppengröße ist schon so weit, dass an Verstärkung gedacht werden kann! Das sind gute Zeichen! Möge das Team durch den steinigen Verwaltungsakt bis zur Anerkennung unbeschadet bleiben! Ich habe noch kein besseres stationäres Angebot gesehen!

Und noch eine Bitte an das Valere-Team, bitte schützt dieses Projekt vor äußeren Einflüssen, die in gewohnter Manier, hier und da gerne noch etwas im Sinne der Ertragsoptimierung kürzen möchten!

Die Tage in der Valere-Klinik waren für mich sehr, sehr beeindruckend und lehrreich! Ganz herzlichen Dank, dass ich hospitieren durfte!
Euch allen, alles erdenklich Gute für das Projekt

Herzliche Grüße

Sonja Hecht
Psychologische Psychotherapeutin

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