Co-Abhängigkeit bei Angehörigen

Das ABC der Co-Abhängigkeit

Die Co-Abhängigkeit verursacht oft noch mehr Leid und Kummer als die Sucht selber. Co-Abhängige fühlen sich ausgeliefert. Sie verzweifeln an der tiefen Kluft zwischen ihrer Liebe und Fürsorge einerseits und dem Gefühl, nichts erreichen zu können, auf der anderen Seite. Schließlich zeigt sich Wut, und am Ende Resignation.

Das muss nicht so sein: Befreien Sie sich aus dieser tiefen Not. – Bitten Sie einen Außenstehenden, einen Arzt oder einen Therapeuten um Hilfe! Nutzen Sie die modernen Möglichkeiten der stationären Psychotherapie für sich. Achten Sie auf kurze Behandlungsdauer (teils unter 2 Wochen) und auf tägliche Einzelstunden.

Hier finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen zum Thema Co-Abhängigkeit.

 

A

Ärzte und Co-Abhängigkeit

Auch Ärzte/innen verhalten sich bisweilen wie Co-Abhängige: Anstatt suchtfördernde Medikamente zu verweigern, gehen sie lieber den bequemen Weg, scheuen die Konfrontation, vielleicht auch aus finanziellen Motiven heraus.

Arbeit und Co-Abhängigkeit

Co-Abhängige tun in der Regel alles dafür, damit Süchtige ihre Arbeit behalten können: Sie melden ihre Partner krank beim Arbeitgeber, mobilisieren im Spätstadium Suchtberatungsstellen, Ärzte und Psycholog/innen (die bei den Süchtigen meist nicht willkommen sind)

Ablauf der Co-Abhängigkeit

Häufig verläuft eine Co-Abhängigkeit in drei Phasen:

In der Beschützerphase verteidigen die Betroffenen die Süchtigen vor Anderen und bringen ihnen besonders viel Mitgefühl entgegen.

Später, in der Kontrollphase, übernehmen sie dann Aufgaben und Probleme, die der Kranke nicht mehr erfüllen kann. Sie verstecken und vernichten beispielsweise die jeweiligen Suchtmittel und halten die Fassade nach außen aufrecht. Dabei bilden sie den perfekten Gegenpol zum Verhalten der Süchtigen und halten damit die Beziehung im Gleichgewicht.

Zuletzt ist die Anklagephase durch zunehmende Aggression und Verachtung dem Kranken gegenüber geprägt. Die Betroffenen erkennen, dass sie mit der Sucht zunehmend überfordert sind und suchen Hilfe bei Außenstehenden. Die Abhängigen werden dabei oft zum Sündenbock. Am Ende kann eine vollständige Hilflosigkeit der Co-Abhängigen entstehen

 

B

Berater, Helfer und Co-Abhängigkeit

Sie werden meist zu Rate gezogen, wenn die Krankheit schon sehr weit fortgeschritten ist. Das Wichtigste ihrer Funktion: Sie lassen sich (im Idealfall) nicht ins Geschehen verwickeln, blieben also emotional “außerhalb” und behalten den Überblick. Sie können aus ihrer Erfahrung wertvolle Hinweise geben, werden aber oft nicht oder zu spät gehört.

Behandlung der Co-Abhängigkeit

Es ist sehr schwer und aufwendig sich aus einer Co-Abhängigkeit alleine zu befreien. Besser und schneller kann das gelingen, wenn Sie sich dabei von Fachleuten helfen lassen. Eine psychosomatische Klinik mit einer täglichen intensiven therapeutischen Arbeit am Thema ist dafür der richtige Ort.

 

C

Co-Co-Abhängigkeit

Auch das gibt es: Und zwar kann es auch dazu kommen, dass eine andere Person (oft aus der gleichen Familie) zu einem Co-Abhängigen eine überfürsorgliche Beziehung aufbaut, und so selber in den Strudel hineingerät. Solche Beziehungen sind häufig von guten Ratschlägen geprägt, die der/die Co-Abhängige aber meist nicht hören will.

 

D

Definition der Co-Abhängigkeit

Eine Co-Abhängigkeit liegt immer dann vor, wenn die Bezugsperson eines Süchtigen diesem helfen will, dabei scheitert und selber darunter leidet. Sie macht sich abhängig von dem, dem sie zu helfen glaubt, um ihren Selbstwert (vergeblich) zu stabilisieren.

 

E

Ego und Co-Abhängigkeit

Während das Ego der Süchtigen ständig um die Beschaffung des Stoffs kreist, fixiert sich der Co-Abhängige auf den Partner. Die vorgebliche Hilfe für die Bezugsperson wird zum Lebenselixier und damit ebenfalls zum Suchtmittel.

Eigenes Leben: Autonomie und Co-Abhängigkeit

Der Schwachpunkt der Co-Abhängigen: Lieber kümmern sie sich um alle anderen und deren Probleme, anstatt um sich selber. Die eigenen schmerzenden Stellen rühren sie lieber nicht an.

 

F

Finanzen und Co-Abhängigkeit

Gar nicht selten finanzieren Co-Abhängige entweder die Folgen der Sucht (als scheinbaren Ausgleich) oder die süchtigen Handlungen selbst, meist ohne Rücksicht auf das eigene Budget. Süchtige fordern finanzielle Unterstützung ihrer Co-Abhängigen auch direkt ein, und geben so dem Co-Abhängigen das Gefühl (endlich) für jemanden wichtig zu sein.

Fördern der Sucht und Co-Abhängigkeit

Co-Abhängige wollen “nur das Beste” und bewirken damit leider nur eine Verschlimmerung, indem sie die Süchtigen schützen und ihnen alle Probleme aus dem Weg räumen, fördern sie das Suchtverhalten der Süchtigen.

Fürsorge und Co-Abhängigkeit

Fürsorge ist bei Co-Abhängigen so extrem ausgeprägt, dass sie oft blind werden für das eigene Tun: Im Glauben zu helfen machen sie den Süchtigen noch abhängiger, nämlich von sich selber, als er es ohnehin schon ist. In der Regel beruhigen Co-Abhängige jedoch nur das eigene schlechte Gewissen.

 

G

Gefühle und Co-Abhängigkeit

Hier können sich Süchtige und Co-Abhängige die Hand reichen: Beide vermeiden es tunlichst, sich ihren tiefen Gefühlen – vor allem schmerzlichen – zuzuwenden. Verschieden ist lediglich das Vorgehen: während der Süchtige seine Gefühle mit einem Suchtmittel unterdrückt, tut dies der Co-Abhängige mit seinem Helfersyndrom.

Gesundheit und Co-Abhängigkeit

Die Gesundheit der Süchtigen liegt den Co-Abhängigen ganz besonders am Herzen. In dieser Abhängigkeit sind sie gefangen. Die Gesundheit ist praktisch das Trumpf-Ass, das immer sticht. Ohne dass die Süchtigen das bewusst tun würden. Das darf man ihnen nicht unterstellen.

 

H

Helfersyndrom bei Co-Abhängigkeit

Co-Abhängigkeit und Helfersyndrom sind beinahe schon Synonyme geworden, denn unter nahezu jeder Co-Abhängigkeit steckt ein Helfersyndrom. Umgekehrt ist das aber nicht immer der Fall.

 

I

Irrweg der Co-Abhängigkeit

Das ist das tragische: Die Co-Abhängigen wollen wirklich helfen, sie wollen etwas Gutes tun, aber sie gehen einen folgenschweren Irrweg. Dieser wird oft viel zu spät erkannt. Oft erst dann, wenn ernste Schäden eingetreten sind.

 

K

Komplizenschaft und Co-Abhängigkeit

Co-Abhängige machen sich zu Komplizen der Sucht, oft ohne es zu wollen und ohne es zu wissen.

Konkrete Wirkungsweise der Co-Abhängigkeit

Die Co-Abhängigen wollen dem Süchtigen jede Unannehmlichkeit ersparen: Nach außen kompensieren und vertuschen sie, so gut es geht, damit die Umwelt nichts merkt.  Während der Süchtige alles tut, um seine Sucht weiter ausleben zu können, fixiert sich der Co-Abhängige auf sein Helfersyndrom und bedient innere Ansprüche.

Kontaktsperre und Co-Abhängigkeit

Diese ist manchmal unerlässlich, um eine Lösung zu erreichen. Sei es mit Psychotherapie oder ohne. Erst wenn die Co-Abhängigen von ihrem “Zögling” getrennt sind, erleben sie erst wieder sich selber. Und: Das Ausmaß ihrer bisherigen Verstrickung.

Kontrolle und Co-Abhängigkeit

Das klassische Paar! Einer eine ist der Kontrolleur, der andere der Überwachte, der sich immer zu Unrecht überwacht fühlt. Die Kontrolle ist eine gute Möglichkeit für die Co-Abhängigen, von sich selber abzulenken.

 

L

Legitimation und Co-Abhängigkeit

Leider unterstützen Co-Abhängige, zumindest im Anfangsstadium, die Süchtigen dabei, das süchtige Verhalten zu legitimieren oder zu bagatellisieren. Häufig fallen dabei rechtfertigende Sätze wie “Wir feiern nur ein bisschen…”

Leid und Co-Abhängigkeit

Co-Abhängige leiden oft mehr als die Süchtigen selber: Einerseits nehmen sie selber seltener “eigene” Suchtstoffe ein als die Süchtigen, betäuben sich also weniger und leben und empfinden näher an der Realität. Andererseits haben sie definitionsgemäß ein größeres Verantwortungsgefühl als Süchtige, denen es plakativ gesprochen nur auf ihren Stoff ankommt.

Leidensdruck und Leidensdauer und Co-Abhängigkeit

Co-abhängiges Verhalten reduziert den Leidensdruck des Suchtkranken und verlängert so seine Krankheits- und Leidensdauer.

 

M

Mittelpunkt und Co-Abhängigkeit

Während beim Süchtigen sich alles um den Stoff (bzw. um nicht stoffgebundene Verhaltensweisen) dreht, steht beim Co-Abhängigen der süchtige Partner voll und ganz im Mittelpunkt des Lebens. Auf diese Weise müssen eigene Bedürfnisse nicht mehr wahrgenommen werden, denn auf der “Baustelle” des Süchtigen gibt es immer etwas zu tun.

 

N

Nettigkeit und Co-Abhängigkeit

Das ist das entscheidende Problem:  Die Co-Abhängigen glauben, immer nett sein zu müssen (aus Angst, abgelehnt zu werden). Sie scheuen ein offenes, klares Wort, nach dem Motto: Lieber leiden, dafür lieb und nett sein.

 

O

Offenheit und Co-Abhängigkeit

Das fehlt in beiden Richtungen. Die Süchtigen machen den Co-Abhängigen genauso ständig etwas vor, wie umgekehrt; nur die Motive sind umgekehrt. Süchtige wollen immer beschwichtigen und kommen mit immer neuen (eigentlich denselben) Versprechungen. Und die Co-Abhängigen verbergen ihren Ärger, jedenfalls zu Beginn. Oft auch vor sich selber.

 

P

Probleme und Co-Abhängigkeit

In Co-Abhängigkeits-Beziehungen hat ein Gespräch über Probleme, also über echte Probleme, einfach keinen Platz. Ruhig, klar und ergebnisorientiert über ein Problem zu sprechen und es zu lösen, ist ihnen fremd. Maßnahmen bei Nicht-Einhaltung von Fristen werden nicht eingefordert.

 

S

Sucht- und Helferrolle

Die beiden sind dermaßen mit einander verwoben, dass die Literatur darüber mittlerweile in laufenden Metern gemessen werden kann. Die Rollen bedingen einander. Was täte der Helfer ohne den Süchtigen und umgekehrt. Natürlich gibt es die Helferrolle auch in anderen Beziehungen. Diese weisen allerdings auch oft eine Suchtstruktur auf: Oft nicht stoffgebunden. Arbeit statt Alkohol z.B. Hier steht dann eben die Arbeit im Vordergrund. Sie ist dann der Stoff, der irgendwann wichtiger wird als die Partnerschaft.

 

T

Therapie der Co-Abhängigkeit

s. Behandlung der Co-Abhängigkeit

 

Q

Querelen und Co-Abhängigkeit

Mit einem Satz: Keine Co-Beziehung ohne ständige Querelen (nicht immer, aber häufig auch umgekehrt). Immer wird um irgendwas gestritten: Das Einhalten von Absprachen, die zuverlässige Erledigung von Aufgaben oder pünktlich zu einer Verabredung zu erscheinen.

 

R

Rationalisieren und Co-Abhängigkeit

Darunter versteht man die Bemäntelung eines affektgesteuerten Verhaltens durch vorgeblich sinnvolle Argumente, z.B. “dann kann ich besser schlafen”, “dann werde ich ruhiger”, “dann bin ich lustiger”. Die Sucht wird dabei verniedlicht oder geleugnet.

 

S

Schamgefühle und Co-Abhängigkeit

Diese sind bei Co-Abhängigen besonders stark ausgeprägt: Vor der Umwelt (Nachbarn, Arbeitskollegen, Verwandte…) soll die bittere Wahrheit unbedingt verschleiert bleiben – um des guten Rufs Willen.

Selbsthilfegruppen und Co-Abhängigkeit

Gemeinsam mit anderen Menschen können Co-Abhängige lernen, was Co-Abhängigkeit für ihr eigenes Leben bedeutet. Am Anderen wird plötzlich deutlich, was durch “blinde Flecken” oft nicht erkennbar war. So werden Merkmale, Ursachen und Konsequenzen der Co-Abhängigkeit augenscheinlich. In Gruppen wie Al-Anon (für Erwachsene) und Alateen (für Kinder) helfen Betroffene Betroffenen. Ein Grundprinzip ist dabei die Anonymität, um sich in einem geschützten Rahmen austauschen zu können.

Sorgen und Co-Abhängigkeit

Das kennt jede/r Co-Abhängig/e: Sorgen von früh bis spät. Wie geht es dem Partner? – Bleibt er trocken? – Hält sie ihre Versprechungen ein? – Wie geht das Leben weiter?

 

T

Tiefere Begegnungen und Co-Abhängigkeit

Sowohl bei süchtig als auch bei co-abhängig definierten Patienten ist es äußerst schwer, tragfähige und tiefe Begegnungen zu installieren. Beide sind zu sehr mit der Abwehr ihrer Gefühle beschäftigt.

Trennung

Hat sich ein Co-Abhängiger endlich aus seiner toxischen Beziehung befreit, so besteht das Risiko, dass er sich für die nächste Beziehung erneut einen Menschen aussucht, für den er aufs Neue in die Helferrolle schlüpfen kann.

 

U

Umgebung und Co-Abhängigkeit

Während der Süchtige in seiner Umgebung häufig auf Ablehnung stößt, sobald das Suchtverhalten nicht mehr zu verstecken ist, erfreut sich der Co-Abhängige größter Akzeptanz in der Gesellschaft. Hinter der Fassade der Aufopferung werden die wahren Probleme meistens nicht erkannt.

Unrechtsbewusstsein

Aufgrund seiner überhöhten inneren Ansprüche, ein besonders guter Mensch sein zu müssen, kann ein Co-Abhängiger sogar schon ohne besonderen Grund an seinem eigenen Unrechtsbewusstsein leiden. Bei seinem süchtigen Partner wird er jedoch vergeblich auf ein adäquates Maß an Unrechtsbewusstsein warten, selbst wenn dieser sich tüchtig danebenbenommen hat. Es gibt allerdings auch Fälle, in denen Süchtige ein Unrechtsbewusstsein zeigen, welches die Umwelt ihnen aber nicht so recht abnehmen möchte.

Unterstützung

Beim Thema Unterstützung ist häufig eine Einbahnstraße zu beobachten: Definitionsgemäß unterstützt in erster Linie der Co-Abhängige den Süchtigen, anstatt umgekehrt. Der Süchtige ist meistens mit sich selber und der Suchtbefriedigung beschäftigt.

 

V

Verzeihung und Co-Abhängigkeit

Während der Süchtige häufiger Dinge tut, für die er später um Verzeihung bittet (oder zumindest darum bitten sollte), bietet der Co-Abhängige durch sein scheinbar tugendhaftes Verhalten wenig Anlass, etwas zurückzunehmen oder um Verzeihung bitten zu müssen – außer in der Endphase der Co-Abhängigkeit, in der er sich oft wiederholt zu Vorwürfen hinreißen lässt.

Vertuschung und Co-Abhängigkeit

Die Süchtigen versuchen in der Regel, Ausmaß ihrer Sucht zu vertuschen; der Partner wird nicht mehr als ein liebender Mensch wahrgenommen, sondern als Richter/in oder Verfolger/in, vor dem es den Suchtkonsum zu verheimlichen gilt. Die Co-Abhängigen geraten dadurch oft in eine Detektivrolle.

 

W

Werte und Co-Abhängigkeit

Für den Co-Abhängigen spielen Werte wie Zuverlässigkeit, Nächstenliebe oder Toleranz eine große Rolle, während sich das Wertesystem des Süchtigen in engen Grenzen bewegt (insbesondere dann, wenn der Stoff gerade nicht verfügbar ist).

Wie häufig ist Co-Abhängigkeit?

Statistisch gesehen ist jede 10 Person in Deutschland als co-abhängig zu bezeichnen.

 

Z

Zuverlässigkeit und Co-Abhängigkeit

Hier unterscheiden sich Süchtige und co-abhängige Personen sehr stark voneinander: Während für den Süchtigen Zuverlässigkeit ein Unwort zu sein scheint, so erscheint der Co-Abhängige als die Zuverlässigkeit in Person: Stets hält er seine Versprechungen ein und ist (über-)pünktlich zur Stelle.

Zuwendung

Das ist die Domäne der Co-Abhängigen, das können sie wunderbar. Bei den Süchtigen drängt sich dagegen manchmal das Gefühl auf, dass ihre Zuwendung eine Währung darstellt, für die sie etwas bekommen möchte (in Ruhe gelassen werden, Toleranz, Geld…).

Menü
Call Now ButtonRufen Sie uns an