Leiden Sie unter
Angststörungen?

Leiden Sie
unter Angststörungen?

Kennen Sie die folgenden Situationen?

  • Der Wecker klingelt, aber Sie haben zu viel Angst aufzustehen?
  • Sie wollen etwas essen, aber der Hals ist wie zugeschnürt?
  • Es ist Zeit, zur Arbeit aufzubrechen, aber die Angst hat Sie im Griff?
  • Am Arbeitsplatz haben Sie Panik, wenn ein Kollege oder Vorgesetzter vorbeikommt?
  • Sie sollen eine Präsentation durchführen und wagen sich nicht auf die Bühne?
  • Sie wünschen sich so sehr eine Partnerschaft, lassen aber das Date verstreichen?
  • Flugzeuge, Busse, Aufzüge sind für Sie ein no go?
  • Sie haben Angst, zu Bett zu gehen, wegen drohender Alpträume?

1. Grundsätzliches zum Thema Angststörung

Die gute Nachricht zuerst: Angststörungen sind grundsätzlich heilbar. Die Angst ist kein Feind, sondern eine natürliche Reaktion die uns schützt.
Der Versuch, Angst zu bekämpfen führt oftmals zu noch mehr Angst. Zu langes Warten verschlimmert die Angststörung und verlängert den Heilungsverlauf. 

Sofern Sie bereits akute Symptome einer Angststörung bei sich selbst feststellen, sollten Sie zeitnah handeln und sich professionelle Hilfe holen. Ziehen Sie bitte in jedem Fall Experten wie beispielsweise Psychotherapeuten oder Psychiater hinzu. Das Abwarten bringt meist keinerlei Verbesserung der Situation. 

Wenn sich in einer ambulanten Therapie keine spürbare Verbesserung einstellt, ist eine stationäre Fortführung in einer Akutklinik, wie der Valere Privatklinik, eine sehr gute Lösung. 

Angst ist der stärkste lebenserhaltende Grundimpuls aller Menschen. Die Angst sucht nach Schutz!

Beispiel: Ein Kind hat Angst vor Blitzen und rennt ins Haus; im Arm der Mutter fühlt es sich geborgen und beschützt. Damit hat die Angst ihr Ziel erreicht. Hier wird sich auch keine Angststörung entwickeln.

Angststörungen entstehen dann, wenn das Ziel der Angst nicht mehr erfüllt wird. Spüren Sie bitte einmal, vor welcher Situation Sie Angst empfinden, und überlegen Sie dann, wie Sie das Problem lösen könnten. Wenn Sie eine Lösung finden, wissen Sie von selbst was zu tun ist; falls nicht, kann dies der  (schleichende) Beginn einer Angststörung sein.

Ursachen der Angststörung

Angststörungen können sich beispielsweise im Zusammenhang mit folgenden Themen entwickeln:

  • Vereinsamung, Isoliertheit, Ausgestoßen-Sein
  • Krankheit, Leben, Tod
  • Verarmung, Existenzsorgen, wirtsch. Situation, 
  • Verlust des sozialen Status
  • Beruf, Ausbildung, Prüfung
  • Entwürdigung, Demütigung, Bloßstellung
  • Hunger (Entbehrungen)
  • Strafe, Schmerzen, Liebesverlust
  • Sexuelles Versagen oder mangelnde Anerkennung
  • Verlust körperlicher oder geistiger Fähigkeiten

Geborgenheit als Voraussetzung für Heilung

In der Klinik fragen wir die Patienten mit Angststörung immer nach Gefühlen der Geborgenheit; die meisten antworten: „Nein, ich fühle nur Angst, aber keine Geborgenheit, schon lange nicht mehr.“ Geborgenheit ist aber notwendig: sie sorgt dafür, dass Glückshormone auf- und Stresshormone abgebaut werden, und zwar auf natürliche Weise.

Vertrauen in die Therapeuten

Natürlich macht die Therapie ohne Vertrauen keinen Sinn. Vertrauen kann nicht herbeigezaubert werden, es entwickelt sich in dem Maße, wie Sie die Therapeuten als vertrauenswürdig erleben. Es ist also Aufgabe der Therapeuten, Ihr Vertrauen zu gewinnen. 

Wichtiges Symptom der Angststörung: Schamgefühle

Angststörungen gehen meist mit überhöhten Schamimpulsen einher; oft werden die Ängste dadurch sogar noch stärker. Es ist in unserer Gesellschaft einfach nicht schick oder sexy, über Angst zu sprechen. Die Folge: wir ziehen uns zurück, schaffen Distanz zu Freunden, Partnern, Arbeitskollegen und fühlen uns einsam. Die Einsamkeit darf aber genauso wenig mitgeteilt werden wie die Angst: Der typische Beginn für eine Angststörung. Da die Situation jetzt noch gut erträglich scheint, suchen die wenigsten zu diesem Zeitpunkt therapeutische Hilfe. Aber gerade in dieser Situation wäre aber eine ambulante Psychotherapie genau richtig.

Die Scham achten als Teil der Therapie von Angststörungen

Scham ist der stärkste Zugehörigkeitsimpuls von uns Menschen; sie sorgt dafür, dass wir uns gesellschaftskonform verhalten. 

Beispiel: Niemals würden Sie einer gebrechlichen alten Dame in aller Öffentlichkeit die Handtasche entreißen; eine gesunde Scham löst sofort schlechte Gefühle aus (sogar wenn Sie den Diebstahl nur träumen), also tun Sie so etwas nicht und bleiben ein Teil der Gemeinschaft.

In der  Valere Klinik achten wir streng darauf, dass die Schamgrenzen jedes Einzelnen strikt beachtet werden. Niemand muss etwas gegen den eigenen Willen preisgeben. Definitiv nie, die modernen Therapiemethoden von heute erfordern das nicht mehr.

Bevor Sie sich für eine ambulante oder stationäre Psychotherapie anmelden, stellen Sie sicher, dass Sie heikle Dinge für sich behalten dürfen. Es genügt zu sagen: „Ich leide unter einem Problem, möchte den Inhalt aber nicht preisgeben.“ Gut ausgebildete Therapeuten können damit trotzdem zielorientiert arbeiten. Die Angst wird dann nicht bekämpft, sondern verstanden und angenommen. Somit entsteht ein sicheres Fundament für eine positive therapeutische Entwicklung.

2. Folgen der Angststörung (siehe auch Symptome)

Störungen in der Sexualität (zu wenig Lust, oder Leistungsdruck) können die hochsensible Folge einer Angststörung sein.

Fast ebenso früh und ebenfalls unspezifisch zeigen sich Konzentrationsstörungen: Sie sind einfach nicht richtig bei der Sache; im Baumarkt fragen Sie nach einem Produkt, und schon 4 Regale weiter haben Sie wieder vergessen, worauf Sie achten sollten. Und während Sie ein Gespräch führen, denken Sie ständig an andere Dinge. Geburtstage fallen Ihnen nicht mehr rechtzeitig genug ein, um noch ein passendes Geschenk kaufen zu können. Dazu kommt meist noch eine erhöhte Bereitschaft, auf sich selber zu schimpfen.

Weil ständig die innere Alarmglocke läutet, können Sie nicht mehr richtig unterscheiden, ob Sie gemeint sind oder jemand anders. Ob Sie angegriffen werden, oder man Sie nur mit einem kleinen Scherz necken möchte. Sie fühlen sich schnell beleidigt, auch bei kleinen Anlässen, leiden unter häufigen Missverständnissen und fangen an, andere Menschen zu meiden.

Ruckzuck gehen Sie in die Luft. Sprüche wie „bleib cool!“ verfehlen nicht nur die beabsichtigte Wirkung, sondern erreichen exakt das Gegenteil: Sie fühlen sich eher provoziert. Selbst Ihnen nahe stehende Menschen haben kaum noch eine Chance, etwas richtig, schön, pünktlich oder einfach nur „gut“ zu machen. Sie stehen ständig unter Strom und gehen schließlich ihren Mitmenschen nur noch auf die Nerven. Und sich selbst auch.

Wenn sie beginnen, bestimmte Situationen zu vermeiden, z.B. Partys, Geburtstage, Menschenansammlungen, öffentliche Transportmittel, Aufzüge usw., so liegt hier eine relativ spezifische Folge einer Angststörung vor. In diesem Fall sollten Sie keine wertvolle Zeit mehr verlieren: Handeln Sie und melden Sie sich zu einer Psychotherapie an!

Achten Sie ständig auf mögliche Zeichen Ihres Körpers? Befürchten Sie, ernsthaft zu erkranken?
Schlägt Ihr Herz immer wieder zu schnell? Womöglich mit zu hohem Blutdruck?
Leiden sie unter Schweißausbrüchen oder (scheinbaren) Temperaturschwankungen?
Dann leiden Sie bereits unter den körperlichen Folgen einer Angststörung. Auch in diesem Fall sollten Sie unverzüglich eine Therapie beginnen, ansonsten riskieren Sie Schädigungen Ihres Herz-Kreislaufsystems.

Müssen Sie alles doppelt und dreifach kontrollieren, bevor Sie das Haus verlassen oder eine Arbeit abgeben? Dürfen Sie keine Fehler machen?
Wären Vorwürfe vom Chef das Schlimmste, was Ihnen passieren kann, also unter allen Umständen zu vermeiden?
Können Sie davon nicht ablassen, selbst wenn Sie selbst dieses Verhalten als übertrieben empfinden? – Dann leiden Sie unter einem Kontrollzwang, hervorgerufen fast immer als spezifische Folge einer Angststörung

Hatten Sie früher nur Angst vor bestimmten Situationen, z.B. engen Fahrstühlen oder hohen Aussichtsplattformen, und stellen jetzt fest, die Angststörung weitet sich  immer mehr aus? Bei immer mehr Anlässen? Oder noch schlimmer, die Angststörung hat sich so weit vom Auslöser entfernt, dass sie sich nun fast immer und überall zeigt? Sogar ohne erkennbaren Anlass? Dann ist es allerhöchste Eisenbahn, und Sie müssen jetzt sofort handeln! – Denn dann ist die Angststörung generalisiert; Auslöser und Reaktion haben sich völlig voneinander entkoppelt.

3. Symptome der Angststörung

Körperliche Symptome der Angststörung

Als wichtiges Symptom einer Angststörung fällt besonders der schlechte Schlaf auf, sei es als Einschlafstörung oder als zu frühes Erwachen mit Nervosität, oft auch mit dem Impuls, sich vor lauter Angst am liebsten im warmen Bett zu verkriechen. Sie spüren keine Zuversicht, oder gar Neugierde, was der neue Tag bringen wird. 

Bei Ängsten wird der Schlaf oft noch durch Alpträume verschlimmert, so dass viele Patienten nicht nur vor dem Aufstehen Angst empfinden, sondern zusätzlich auch noch vor dem Schlafengehen.

Weitere Symptome einer Angststörung zeigt der Körper durch Verspannungen im Schulter-Nacken-Bereich. Wenn hier selbst die 5. oder 10. Massagebehandlung noch keine dauerhafte Besserung bringt, ist es höchste Zeit für eine Therapie. Meist sind es unterdrückte Themen einer Angststörung, die zu diesen hartnäckigen und wiederkehrenden Verspannungen führen. Gehen Sie der Sache auf den Grund!

Auch der Verdauungstrakt kann auf eine Angststörung hinweisen. Jeder kennt das „flaue Gefühl“ im Bauch, wenn man Angst vor etwas empfindet. Wohlgemerkt: Im Bauch, nicht im Kopf!

Also auf Symptome der Verdauung achten! Jedes davon (zuviel oder zu wenig Hunger, Schmerzen, Aufstoßen, Völlegefühl, Verdauung zu schnell oder zu langsam etc.) kann ein wichtiger Hinweis auf eine Angststörung sein. Durch eine Therapie könnte sie früh und zielsicher erkannt und behandelt werden.

Kopfschmerzen – vor allem dann, wenn sie wiederholt und lang anhaltend auftreten. Organisch ist hier in den seltensten Fällen etwas zu finden. Natürlich wird geröntgt und ein MRT gemacht, um nichts außer acht zu lassen, doch das bringt keine Entlastung: Die quälenden Schmerzen dauern an, denn allzu oft liegt ein psychisches Problem dahinter verborgen, wenn auch nicht immer eine Angststörung.

Geistige Symptome der Angststörung

Konzentrationsstörungen stehen hier an erster Stelle! Sie sollten ebenfalls als Warnung verstanden werden: Fast jeder kennt die klassische Vergesslichkeit, nämlich, dass man in den Keller gegangen ist, und dann nicht mehr weiß, was man dort wollte. Sie kann noch als relativ harmlos eingestuft werden. Dennoch wäre es sinnvoll und nützlich, sich bereits hier zu fragen, mit was sich der Geist denn auf der Kellertreppe beschäftigt hat, und zwar völlig autonom.

Denn autonome Prozesse sind immer lebenserhaltend und von daher stets vorrangig und wichtiger als Kartoffeln zu holen. Vielleicht haben Sie eine Prüfung am nächsten Tag und versuchten, Ihre Angst davor zu verdrängen? Oder Angst, dem Partner (endlich) eine quälende Wahrheit zu offenbaren? Dann achten Sie einmal auf diese ungünstigen Muster, wo Sie etwas unterdrücken, statt es zu lösen. Wenn Sie das zur Gewohnheit werden lassen, kann sich eine Angststörung daraus entwickeln.

Konzentrationsstörungen als Symptom treten natürlich auch in wichtigen Situationen auf, z. B. in Ausbildung und Beruf! Wenn man Ihnen alles mehrfach erklären muss, weil Sie sich die wichtigsten Abläufe nicht merken können, dann gehen Sie Ihren Kollegen bald auf die Nerven. Und auch sich selber, das ist noch viel schlimmer. Bald trauen Sie sich nichts mehr zu und verlieren so den Glauben an Ihre eigenen Fähigkeiten! Nur weil die Angststörung unbewusst so weit fortgeschritten ist, dass Ihr Geist – wieder ohne Ihr bewusstes Zutun – dringend nach einer Lösung für die Angst sucht, die Sie vergeblich verdrängen wollen. Damit verschwenden Sie eine Menge Energie, die Ihnen dann für die eigentlichen Aufgaben, z.B. sich etwas Berufliches zu merken, definitiv nicht zur Verfügung steht. 

Emotionale Symptome einer Angststörung

  • Sind Sie manchmal ohne erkennbaren Grund gereizt?
  • Erschrecken Sie leicht schon bei Kleinigkeiten?
  • Ist Ihr Partner nicht ordentlich genug?
  • Leiden Sie unter sog. Zwangssymptomen? Können Sie nicht aus dem Haus gehen im Wissen, dass der Tisch noch nicht sauber abgewischt ist?
  • Sind sie schnell aus der Fassung zu bringen?
  • Können Sie Zärtlichkeit nicht richtig genießen? Mit Sexualität oder auch ohne?
  • Fällt es Ihnen schwer zu lieben? Oder sich lieben zu lassen?

Hinter all diesen Themen kann sich eine Angststörung verbergen! Beantworten Sie sich diese Fragen daher aufrichtig. Wohlgemerkt: „Sie sich.“ Sie müssen es ja sonst niemandem mitteilen. Denn je achtsamer Sie mit sich selber umgehen, desto früher erkennen Sie Ihre ganz persönlichen Warnsignale. Und desto besser wird Sie eine Therapie zum Erfolg führen. Vergessen Sie nicht: Angststörungen sind heilbar!

4. Therapiemöglichkeiten bei Angstzuständen

Wenn Sie unter einem (oder mehreren) der oben genannten Symptome leiden, sollten Sie dringend mit einer Therapie beginnen, je früher, je besser.

Ambulante Therapie von Angststörungen

Bei Angststörungen ist eines besonders wichtig: Die Chemie zwischen Ihnen und dem Therapeuten muss stimmen! Spüren Sie nach 3 oder 4 Sitzungen genau hin: Konnte der Therapeut Ihr Vertrauen gewinnen? Gerade bei Angststörungen ist das besonders wichtig! Sie brauchen und sollen sich da nicht anstrengen! Therapierende müssen sich auf Sie einstellen, nicht umgekehrt.

Dafür haben die Krankenversicherungen (i. d. R. 5-8) sog. Probe-Sitzungen vorgesehen: Die dürfen Sie unverbindlich nutzen, um zu prüfen, ob der Therapeut Ihnen wirklich zusagt. 

Einzelsitzungen in der Klinik bei Angststörungen

Wenn Sie sich für eine stationäre Therapie entscheiden, achten sie vorher darauf, wieviele Einzelstunden Sie erhalten! – In der Valere Klinik kommt Ihnen die hohe Dichte der Einzeltherapien (1 x täglich außer an den An- und Abreisetagen) zugute! Ein echter Mehrwert für Sie: Sie investieren Ihre kostbare Zeit und erzielen dabei sehr gute Ergebnisse.

Dauer einer Angstherapie

In der Valere Klinik verdichten wir die Therapie auf exakt 14 Tage (inkl. der An- und Abreisetage). 

Im ambulanten Setting sind ca. 10 Einzelsitzungen und 35 Gruppensitzungen ideal. Diese Sitzungen können viele Wochen in Anspruch nehmen.

5. Therapieansätze bei Angststörungen

Die besten Therapien bei Angststörungen sind ziel- und potenzialorientierte Verfahren, aber was heißt das?

Damit ist gemeint: Patient und Therapeut gehen gemeinsam auf ein Ziel zu, z.B. „tiefe Gelassenheit“ oder „erhabene Souveränität“. Das ist sehr wichtig zu verstehen, als Unterschied zu den älteren Verfahren: Dort suchte man stets nach den Defiziten und verbrauchte einen großen Teil der Therapiezeit mit Gesprächen über das Problem der Patienten. Das Wort Angst-„Störung“ gibt davon einen Vorgeschmack. Heute wissen wir durch Forschung und aktuelle Studien, dass der Zielansatz wesentlich rascher, effektiver und spürbarer zum Erfolg führt. Mit anderen Worten: Anstatt „weg von….“ lautet das konstruktive Motto „hin zu…“. Damit wird auch die Bewegung, also die Dynamik, ausgedrückt. Stellen Sie sich bitte vor, Sie gehen von etwas weg: Dann behalten Sie den Grund Ihrer Flucht, also in dem Fall die sog. Angststörung, stets im Auge, und außerdem laufen Sie rückwärts mit der Gefahr zu stolpern. Anders herum: Anstatt „weg von“ laufen Sie auf ein Ziel zu, vielleicht sogar mit erhobenen Armen (das machen wir tatsächlich am letzten Tag in der Klinik, denn das wirkt wahre Wunder), dann spüren Sie sofort den Unterschied: Jetzt sind Sie mit Motivation bei der Sache und entdecken bei sich neue Kraft und andere Kompetenzen.

Während wir beim Ziel fragten: „Wo will ich hin?“, geht es bei den Potenzialen um den Ausgangspunkt. Also: „Wo stehe ich jetzt? Von wo aus starte ich?“ Und wenn ich meine heutige Ausgangssituation betrachte, kann ich den Fokus durchaus auf meine Defizite legen, z.B. auf meine Angst-„Störung“, wie das früher lange gemacht wurde. Dieser Fokus hat aber einen entscheidenden Nachteil: Er schwächt mich noch zusätzlich zum eigentlichen Symptom, unter dem ich leide. Mache ich mir aber klar, dass ich als Person trotz aller Gebrechen auch Anteile in mir trage, die ich bewahrenswert finde, nämlich meine Potenziale, dann kann ich förmlich spüren, wie neue Kraft in mich einströmt. Und Kraft wird immer gebraucht, vor allem für Veränderungsprozesse im Rahmen einer Psychotherapie.

Darauf legen wir in der Valere Klinik ganz besonderen Wert. Dazu ein Beispiel: Es kommt oft vor, dass Patienten sich wegen eines Fehlers selbst entwerten. In den üblichen Therapien würde man das verbal konfrontieren, etwa so.: „Achtung: Sie beschimpfen sich doch gerade selber! Merken Sie das?“ In der Valere Klinik stellen wir das lieber szenisch dar, so dass es nachhaltig wirkt: Der Therapeut geht dann in die Küche, holt sich dort einen Plastikbecher halb voll mit Wasser, kommt zurück und lässt dann bewusst tollpatschig das Tablett fallen, um sich anschließend so „richtig schön beschimpfen zu können, immer mit den gleichen Worten, dann wirkt es noch grotesker, z.B.: „Ach ich Tollpatsch, ich dummer, dummer Tollpatsch, so ein dummer Tollpatsch!“ usw., das Ganze möglichst laut und 10 mal wiederholt. In fast allen Fällen (über 90%) sind es dann die Patienten, die laut „aufhören“ rufen. Ohne Ratschlag, ohne Erklärung. Und diese Szene wirkt lange nach, also: gelebte Nachhaltigkeit.

Die Erfahrungen in der Klinik graben sich wie von selbst ein, so dass mit geringstem Aufwand ein Maximum an Therapiegewinn erzielt wird. Nehmen Sie das Beispiel mit dem Becher Wasser: Der Aufwand ist gering: nur einen Becher Wasser holen und verschütten. Ohne lange Erklärungen oder gar Ermahnungen (das gibt es immer noch in der Psychotherapie). Einfach so. In kürzester Zeit haben wir einen wunderbaren Effekt erzielt, nach dem Motto: kleiner Einsatz – große Wirkung! So wird moderne Psychotherapie gleichzeitig leicht und kraftvoll erlebt. Das belebt und baut auf. Nebenbei haben wir so eine Fokussierung auf das Hier und Jetzt, indem wir die Sache spitz auf den Punkt bringen.

Der Körper, in vielen Psychotherapien in eine Nebenrolle verbannt, spielt in der Valere Klinik eine zentrale Rolle: Ob ich in der Szene mit dem Chef aufrecht stehe oder gebückt, das hat sofort eine Auswirkung! Deswegen widmen wir diesen Empfindungen sehr viel Ruhe und Zeit. Dadurch wird die Therapie sehr effektiv. Ob ich meinem Chef mit lauter oder mit leiser Stimme sage: „Ich fühle mich ungerecht behandelt!“, das macht einen großen erlebbaren Unterschied! Die Folge: Wo die Patienten vorher noch Angst spürten und die Situation umgehen wollten, wächst jetzt Neugier und manchmal sogar der brennende Wunsch, es sofort auszuprobieren. Dann weicht die Angst und macht einer tiefen Selbstsicherheit Platz.

Bezogen auf das Beispiel Chef fragen wir die Patienten: „Um sich konkret an Ihre Kraft zu erinnern, würden Sie lieber einen roten oder einen blauen Kugelschreiber in das Gespräch beim Chef mitnehmen? Oder etwas ganz anderes? Eher etwas, das Sie sehen, oder etwas, das Sie ertasten können?“ Für was die Patienten sich dann schlussendlich entscheiden, spielt natürlich keine Rolle. Wichtig ist nur, dass sie sich später in der konkreten Situation auch an ihre sog. „tools“ erinnern. Das Ankern ist einer der wichtigsten Bausteine der erfolgreichen Psychotherapie geworden.

6. Beispiele von Elementen der Angsttherapie

Der Vorteil wird sofort spürbar: Wenn wir etwas darstellen, anstatt nur darüber zu sprechen, kommt Leben und Kraft ins Spiel, nach dem Motto: Wenig Theorie, viel Praxis! Daher bringen wir in der Valere Klinik die Anliegen der Patienten so schnell wie möglich in eine Szene hinein. Anstatt über die sog. Angststörung nur zu sprechen, stellen wir eine typische Situation im Therapieraum dar. 

Beispiel: Angst vor dem Chef. Dann wird sofort alles erlebbar, vor allem auch die unterschiedlichen Rollen: Als Patient kann ich in die eigene Rolle schlüpfen, aber genauso auch in die Rolle des Chefs oder in die Rolle des Zuschauers, der sich die Szene, von anderen Patienten dargestellt, in Ruhe von außen anschauen kann.

Jetzt wird die Szene nicht nur mit Worten beschrieben (also was alles passiert ist), sondern ganz konkret gesehen, gehört und gefühlt, also erlebt und durchlebt. Mit allen Körperreaktionen, im Hier und im Jetzt.

Und auch die Lösungen werden am eigenen Leib gespürt und geprüft. Somit werden Erklärungen und Ratschläge vollkommen überflüssig. Gelebte Lösungen pur statt theoretischer Erklärungen – und dadurch hoch effiziente Therapie!

Das sind keine „Rollenspiele“, auch kein Psychodrama, wo man ein komplettes Gespräch abbilden würde. Sondern: der Patient schildert einen  bedrückenden oder Angst auslösenden Dialog, privat, oder beruflich, der schon mehrfach vorkam, und – so die krankmachende Befürchtung – auch in Zukunft wieder ansteht.

Dieses Szenario hat sich zu einem Muster ausgewachsen, das in der jeweils aktuellen Situation schmerzt und darüber hinaus Angst vor der Zukunft auslöst. Diese Angst quält den Patienten aber schon in der Gegenwart. Jeder dieser Dialoge beinhaltet einen kränkenden Kerngedanken, entweder konkret ausgesprochen oder unterschwellig vermittelt. Beispiel: „Sie müssen mehr denken bei Ihrer Arbeit! Gehen Sie endlich intelligent vor!“

Dieser Kern wird herausdestilliert; der inhaltliche Rest ist unwichtig. Die „Sachthemen“ waren ja nur der Aufhänger für das unglückliche Gespräch. Hier geht es jetzt rein um die Menschlichkeit, um die Kultur des Gesprächs, um die unfaire Demütigung oder Bedrohung.

In der szenischen Therapie fokussieren wir also sehr spitz auf diesen einen Satz des Chefs. Dazu entwickeln wir eine sinnvolle Antwort, die die eigene Würde wiederherstellt, z.B.: „Auch bei vermeintlichen Fehlern unterstellen Sie mir bitte, dass ich sinnvoll vorgehe.“

Der „Chef“, dargestellt durch den Therapeuten oder durch einen anderen Patienten, wiederholt ständig seinen untauglichen Vorwurf. Und der Patient (oder bei den sog. „Aufstellungen“ dessen Stellvertreter) antwortet ebenfalls immer mit dem gleichen Satz (siehe Beispiel oben). Dabei achten wir auch auf die Körpersprache: Haltung, Gesicht, Stimme, Handbewegungen, etc. (siehe auch unter „körper….“)

Oft kommt es vor, dass die Patienten im Laufe dieser Therapieeinheit nicht mehr den Chef, sondern eine strenge Person aus der Kindheit vor sich sehen. Das ist eine gute Gelegenheit, in die hocheffektive Arbeit mit dem sog. „inneren Kind“ einzusteigen (siehe dort).

Ebenso häufig bringen sich die Darsteller dieses therapeutischen Dialogs (in dem Fall Chef und Angestellter) selber mit ein. Beispiel: Der „Chef“ sagt: „ja, in Ordnung….“ oder auch: „kommt nicht rüber! Klingt wie auswendig gelernt.“

Dann gehen wir therapeutisch den nächsten Schritt und lassen den „Angestellten“ sagen: „Hören Sie, ich gebe mein Bestes, ist das klar?“, ebenfalls mehrfach wiederholt. Gemeinsam arbeiten wir dann mit diesem Satz weiter, bis er nicht mehr als Lippenbekenntnis, sondern als kraftvoll und konturiert erlebt wird. Und zwar von beiden Seiten: Von innen heraus beim Patienten und ebenso beim jeweiligen Gegenüber. Der Therapeut erkundigt sich also fortwährend beim Patienten nach der inneren Reaktion: Was spüren Sie, wenn Sie diesen Satz laut aussprechen? Wenn Sie ganz gerade stehen? Wenn Sie die Arme vor der Brust verschränken? Wenn Sie einen Fuß nach vorne setzen? usw.

Wohlgemerkt: Der Therapeut fragt den Patienten. Konkret: Nichts wird vorweggenommen, nichts wird „besser gewusst“, die Frage ist immer aufrichtig gemeint. Keine Haltung und keine Lautstärke ist per se besser als eine andere, definitiv nicht, sondern der Patient entscheidet ganz souverän, was sich besser anfühlt und was schlechter. Und darauf stellt sich der Therapeut mit seinem nächsten Therapieangebot dann ein. Noch einmal: Die Therapeuten stellen sich auf die Reaktionen der Patienten ein, niemals umgekehrt.

Zunächst erscheint das Procedere erst einmal unangenehm, sogar anstrengend. Zum Glück nur für eine kurze Zeitspanne. Denn schon nach wenigen Minuten der Therapie stellt sich dann das gewünschte Gefühl ein, z. B. Sicherheit oder Gelassenheit. Dieser Teil der Therapie fühlt sich eher an wie ein Training: Der Patient steht im Mittelpunkt: Mit seinen Gefühlen und Handlungen. Mit den neu erworbenen sog. „tools“, in diesem Fall, sich ab sofort (!) wehren zu können gegen unfaire Angriffe.

Bei Angststörungen können auch professionell durchgeführte Aufstellungen viel Wertvolles beitragen, um die Psychotherapie erfolgreich abzuschließen. Als Pioniere dieser therapeutischen Methode machten sich mehrere Persönlichkeiten einen Namen: Der österreichische Arzt Jakob Moreno  (Psychodrama), Virginia Satir (Familienskulptur), Milton H. Erickson (kultursystemische Betrachtung), Bert Hellinger (Schüler von Thea Schönfelder: „Familienstellen“, bis heute in der Fachwelt umstritten), Salvador Minuchin (Strukturelle Familientherapie).

Bei Angststörungen hocheffektiv und leicht durchführbar. Ein Beispiel aus der Gruppentherapie:  Pat. A stellt sich auf einen kleinen, runden Teppich, ca. 1m Durchmesser. Dieser Teppich symbolisiert die persönlichen Grenzen von A und darf ohne Erlaubnis von A nicht betreten werden. Pat. B hat die Aufgabe, diesen Bereich zu verletzen und setzt dazu provokativ einen Fuß auf den Teppich. Soweit die Regievorgabe.

A verweist nun B aus seinem Bereich, durch Worte, Gestik, Mimik, Körperhaltung, festen Blick usw. Das wichtigste dabei: A zeigt seinem inneren Kind damit, dass es ab sofort wirkungsvoll beschützt wird. Ein gesundes Schutzempfinden ist das beste Mittel bei Angststörungen. Vor allem, weil dieses Empfinden nicht von außen gemacht wurde (durch Medikamente oder Drogen), sondern A das selber bewerkstelligt hat. Und das sorgt nachhaltig für Selbstvertrauen.

Bei jeder Angststörung spielt das sog. „innere Kind“ eine wichtige Rolle.

Warum eigentlich? Ganz einfach: Wenn wir Angst haben, sind wir in der Regel nicht mehr die erwachsene Person mit unserem aktuellen Alter und Bewusstsein, sondern fühlen uns hilflos und überfordert wie ein Kind mit 5, 8 oder 12 Jahren. Unter dem sog. „inneren Kind“ verstehen die Psychologen diesen Teil unseres Unbewussten, der bei einer Bedrohung automatisch anspringt. Im Klartext: Wir tragen diesen Teil unserer Persönlichkeit lebenslang in uns, unabhängig davon, ob wir ihn gerade spüren oder nicht. Man hat den Ausdruck „inneres Kind“ bewusst gewählt, weil er an die Schwangerschaft erinnert und dadurch sehr anschaulich wird. Jeder weiß sofort, was damit gemeint ist.

Bei der Therapie von Angststörungen geht es im Wesentlichen darum, das innere Kind von der Bürde zu befreien, für die Gesamtpersönlichkeit zuständig (und damit überfordert) zu sein. Fast immer lässt sich in der Biographie eine für das Kind bedrohliche oder schambesetzte Situation finden, die noch nicht geheilt ist. Also ermuntert man die Patienten, in der Vorstellung als erwachsene (!!) Person von heute die Szene von damals zu betreten und das eigene innere Kind zu befreien. Innerhalb weniger Minuten lässt die Angst spürbar nach, ein wohltuendes Gefühl der Sicherheit stellt sich ein. So werden Angststörungen an der Wurzel angepackt und aufgelöst.

Beides ist uns in der Valere Klinik sehr wichtig: Zu Beginn einer Therapie-Einheit fragen wir die Patienten nach dem Ausmaß ihrer Angststörung: „Wenn Sie den Schweregrad in Zahlen ausdrücken könnten, z.B. auf einer Skala von 1 bis 10; dabei wäre 1 ganz gering und 10 das Schlimmste, was möglich ist, wo auf der Skala würden Sie sich jetzt aktuell einstufen?“

Die gleiche Frage stellen wir 50 min später. So gut wie immer ergibt sich eine spürbare Verbesserung zwischen einem und drei Skalenpunkten, manchmal auch vier oder fünf. Der Erfolg wird also im Jetzt erarbeitet, im Jetzt gespürt und im Jetzt gemessen. Nichts motiviert uns Menschen mehr, als Erfolg zu haben. Gerade bei der Therapie von Angststörungen ist das besonders wichtig: Der Erfolg gibt Mut und Kraft, um in der Therapie zügig voranzukommen.