Kennen Sie das auch?

Der Wecker klingelt, aber Sie haben zu viel Angst aufzustehen?
Sie wollen etwas essen, aber der Hals ist wie zugeschnürt?
Es ist Zeit, zur Arbeit aufzubrechen, aber die Angst hat Sie im Griff?
Am Arbeitsplatz haben Sie Panik, wenn ein Kollege oder Vorgesetzter vorbeikommt?
Sie sollen eine Präsentation durchführen und wagen sich nicht auf die Bühne?
Sie wünschen sich so sehr eine Partnerschaft, lassen aber das Date verstreichen?
Flugzeuge, Busse, Aufzüge sind für Sie ein no go?
Sie haben Angst, zu Bett zu gehen, wegen drohender Alpträume?

1. Grundsätzliches zum Thema Angststörung

Angststörungen sind heilbar; Angst ist kein Feind; Angst ist normal. Angst bekämpfen bewirkt am Ende das Gegenteil. Therapie in der Klinik ist immer dann sinnvoll, wenn es rasch gehen soll oder wenn sich ambulant kein spürbarer Fortschritt einstellt. Zu langes Warten verschlimmert die Angststörung und verlängert den Heilungsverlauf. Höchste Vorsicht mit Medikamenten! Frühzeitig Experten heranziehen: Psychotherapeuten oder Psychiater.

Das Ziel (der Sinn) der Angst

Angst ist der stärkste lebenserhaltende Grundimpuls aller Menschen. Und auch von Tieren (Rehe, Igel, Pferde usw. wären sonst schon längst ausgestorben.)
Die Angst sucht nach Schutz!
Beispiel: Ein Kind hat Angst vor Blitzen und rennt ins Haus; im Arm der Mutter fühlt es sich beschützt. Damit hat die Angst ihr Ziel erreicht. Hier wird sich auch keine Angststörung entwickeln.

Angststörungen entstehen dann, wenn das Ziel der Angst nicht mehr erfüllt wird . Spüren Sie jetzt einmal bitte, vor welcher Situation Sie Angst empfinden, und überlegen Sie dann, wie Sie das Problem lösen könnten. Wenn ja, werden Sie das ganz von selber tun; wenn nein, wäre das der typische Beginn einer Angststörung (die oft eher schleichend entsteht).

Ursachen der Angststörung

Angststörungen können sich im Zusammenhang mit diesen Themen entwickeln:

  • Krankheit, Leben, Tod
  • Verarmung, Existenzsorgen
  • Hunger, Vergiftung
  • Vereinsamung, Isoliertheit, Ausgestoßen-Sein
  • Strafe, Schmerzen, Liebesverlust
  • Entwürdigung, Demütigung, Bloßstellung
  • Sexuelles Versagen oder mangelnde Anerkennung
  • Beruf, Ausbildung, Prüfung
  • Finanzen, wirtsch. Situation, sozialer Status
  • Verlust körperlicher oder geistiger Fähigkeiten

Geborgenheit als Voraussetzung für Heilung

In der Klinik frage ich die Patienten mit Angststörung immer nach Gefühlen der Geborgenheit; die meisten antworten: „Nein, ich fühle nur Angst, aber keine Geborgenheit, schon lange nicht mehr.”

Geborgenheit ist aber notwendig: sie sorgt dafür, dass Glückshormone auf- und Stresshormone abgebaut werden, und zwar auf natürliche Weise, ohne Chemie.

Vertrauen in die Therapeuten
Natürlich macht die Therapie ohne Vertrauen keinen Sinn. Aber Vorsicht: Ihr Vertrauen können Sie nicht herbeizaubern! Das brauchen Sie auch gar nicht, denn es entwickelt sich in dem Maße, wie Sie die Therapeuten als vertrauenswürdig erleben. Es ist also Aufgabe der Therapeuten, Ihr Vertrauen zu gewinnen. Hier müssen Sie gar nichts tun, außer kritisch zu prüfen, ob Sie sich anvertrauen können.

Wichtiges Symptom der Angststörung: Schamgefühle

Angststörungen gehen meist mit überhöhten Schamimpulsen einher; oft werden die Angststörungen dadurch sogar noch stärker, vor allem bei Männern, zunehmend aber auch bei Frauen. Es ist in unserer Gesellschaft einfach nicht schick oder sexy, über Angst zu sprechen. Die Folge: wir ziehen uns zurück, schaffen Distanz zur Umwelt (Freunde, Partner, Arbeitskollegen) und fühlen uns einsam – die Einsamkeit darf aber genauso wenig mitgeteilt werden wie die Angst: Ein typischer Beginn für eine Angststörung. Noch gut erträglich, suchen die wenigsten zu diesem Zeitpunkt therapeutische Hilfe auf. Jetzt wäre eine ambulante Psychotherapie genau richtig.

Die Scham achten als Teil der Therapie von Angststörungen
Scham ist der stärkste Zugehörigkeitsimpuls von uns Menschen; sie sorgt dafür, dass wir uns “gut” verhalten, damit wir nicht von der Gemeinschaft ausgeschlossen werden. Beispiel: Niemals würden Sie einer gebrechlichen alten Frau in aller Öffentlichkeit die Handtasche entreißen; eine gesunde Scham löst sofort schlechte Gefühle aus (sogar wenn Sie den Diebstahl nur träumen), also tun Sie so etwas nicht und bleiben ein Teil der Gemeinschaft.
In der Klinik achten wir streng darauf, dass die Schamgrenzen jedes Einzelnen strikt beachtet werden. Niemand muss etwas gegen den eigenen Willen preisgeben. Definitiv nie, denn die modernen Therapiemethoden von heute erfordern das auch nicht mehr.

Bevor Sie sich für eine Psychotherapie anmelden (ambulant oder Klinik): Stellen Sie sicher, dass Sie heikle Dinge für sich behalten dürfen. Es genügt zu sagen: “Ich leide unter einem Problem, möchte den Inhalt aber nicht preisgeben.” Gut ausgebildete Therapeuten können damit trotzdem zielorientiert arbeiten. Die Angst wird dann nicht bekämpft, sondern verstanden und angenommen. Somit entsteht ein sicheres Fundament für eine positive therapeutische Entwicklung.

2. Folgen der Angststörung (siehe auch Symptome)

Die Folgen oder auch Symptome der Angststörung sind aus medizinischer Sicht hoch sensitiv, aber wenig spezifisch. Was ist damit gemeint? Nehmen Sie zum Beispiel die Konzentrationsfähigkeit oder die sexuelle Empfindungsfähigkeit: beide werden durch die Angststörung spürbar beeinträchtigt. So gut wie immer, also “hochsensitiv”.

Allerdings wäre der Umkehrschluss wissenschaftlich unzulässig: keinesfalls werden Störungen der Sexualität oder der Konzentration immer und grundsätzlich durch eine Angststörung hervorgerufen (das ist mit “wenig spezifisch” gemeint).

Sexualität
Konzentrationsstörungen
Missverständnisse und Irrtümer
Erhöhte Reizbarkeit
Vermeidung
Körpersymptome
Übermäßige Kontrolle
Generalisierung der Angststörung

Sexualität

Störungen in der Sexualität (zu wenig Lust, oder der Impuls, etwas richtig machen zu sollen, also sich unter Druck setzen) imponieren als hochsensible Folge einer Angststörung.

Konzentrationsstörungen

Fast ebenso früh und ebenfalls unspezifisch zeigen sich Konzentrationsstörungen: Sie sind einfach nicht richtig bei der Sache; im Baumarkt fragen Sie nach einem Produkt, und schon 4 Regale weiter haben Sie wieder vergessen, worauf Sie achten sollen. Und während Sie ein Gespräch führen, denken Sie ständig an andere Dinge. Geburtstage fallen Ihnen nicht mehr rechtzeitig genug ein, um noch ein passendes Geschenk kaufen zu können. Dazu kommt meist noch eine erhöhte Bereitschaft, auf sich selber zu schimpfen.

Missverständnisse und Irrtümer

Weil ständig die innere Alarmglocke läutet, können Sie nicht mehr richtig unterscheiden, ob Sie gemeint sind oder jemand anders. Ob Sie angegriffen werden, oder man Sie nur mit einem kleinen Scherz necken möchte. Sie fühlen sich schnell beleidigt, auch bei kleinen Anlässen, leiden unter häufigen Missverständnissen und fangen an, andere Menschen zu meiden.

Erhöhte Reizbarkeit

Ruckzuck gehen Sie in die Luft. Sprüche wie „bleib cool!“ verfehlen nicht nur die beabsichtigte Wirkung, sondern erreichen exakt das Gegenteil: Sie fühlen sich bevormundet oder verulkt. Selbst Ihnen nahe stehende Menschen haben kaum noch eine Chance, etwas richtig, schön, pünktlich oder einfach nur „gut“ zu machen. Sie stehen ständig unter Strom und gehen schließlich ihren Mitmenschen nur noch auf die Nerven. Und sich selber auch.

Vermeidung

Wenn sie beginnen, bestimmte Situationen zu vermeiden, z.B. Partys, Geburtstage, Menschenansammlungen, öffentliche Transportmittel, Aufzüge usw., so liegt hier eine relativ spezifische Folge einer Angststörung vor. In diesem Fall sollten Sie keine wertvolle Zeit mehr verlieren: Handeln Sie und melden Sie sich zu einer Psychotherapie an!

Körpersymptome

Achten Sie ständig auf mögliche Zeichen Ihres Körpers?
Befürchten Sie, ernsthaft zu erkranken?
Schlägt Ihr Herz immer wieder zu schnell? Womöglich mit zu hohem Blutdruck?
Leiden sie unter Schweißausbrüchen oder (scheinbaren) Temperaturschwankungen (“zu warm” – “zu kalt”)?

Dann leiden Sie unter den körperlichen Folgen einer Angststörung. Auch hier sollten Sie unverzüglich eine Therapie beginnen, andernfalls riskieren Sie Schädigungen Ihres Herz-Kreislaufsystems.

Übermäßige Kontrolle

Müssen Sie alles doppelt und dreifach kontrollieren, bevor Sie das Haus verlassen oder eine Arbeit abgeben?
Dürfen Sie keine Fehler machen?
Wären Vorwürfe vom Chef das Schlimmste, was Ihnen passieren kann und also unter allen Umständen zu vermeiden ist?
Können Sie davon nicht ablassen, selbst wenn Sie selber dieses Verhalten als übertrieben empfinden? – Dann leiden Sie unter einem Kontrollzwang, hervorgerufen fast immer als spezifische Folge einer Angststörung

Generalisierung der Angststörung

Hatten Sie früher nur Angst vor bestimmten Situationen, z.B. engen Fahrstühlen oder hohen Aussichtsplattformen, und stellen jetzt fest, die Angststörung „breitet“ sich immer mehr aus? Bei immer mehr Anlässen? Oder noch schlimmer, die Angststörung hat sich so weit vom Auslöser entfernt, dass sie sich nun fast immer und überall zeigt? Sogar ohne erkennbaren Anlass?? Dann ist es allerhöchste Eisenbahn, und Sie müssen jetzt sofort handeln.! – Denn dann ist die Angststörung generalisiert; Auslöser und Reaktion haben sich völlig entkoppelt.

3. Symptome der Angststörung

Körperliche Symptome der Angststörung

Als wichtigstes Symptom einer Angststörung imponiert der schlechte Schlaf, sei es als Einschlafstörung oder als zu frühes Erwachen mit Nervosität, oft auch mit dem Impuls, sich am liebsten im warmen Bett zu verkriechen vor lauter Angst, in den Tag zu starten. Keine Spur von Zuversicht oder gar Neugierde, was der neue Tag denn bringen wird.
Bei Angststörungen wird der Schlaf oft noch verschlimmert durch Alpträume, so dass viele Patienten nicht nur vor dem Aufstehen Angst empfinden, sondern zusätzlich auch noch vor dem Zu-Bett-Gehen.

Weitere Symptome einer Angststörung zeigt der Körper durch Verspannung im Schulter-Nacken-Bereich. Wenn hier selbst die 5. oder 10. Massagebehandlung noch keine dauerhafte (!) Besserung bringt, ist es höchste Zeit für eine Therapie. Meist sind es unterdrückte Themen einer Angststörung, die zu diesen hartnäckigen und wiederkehrenden Verspannungen führen. Gehen Sie der Sache auf den Grund!

Auch der Verdauungstrakt kann auf eine Angststörung hinweisen. Die Summe aller Nerven im Bauchraum beträgt nur rund eine Zehnerpotenz weniger als die Summe der Nerven im Kopf. Und jeder kennt das „flaue Gefühl” im Bauch, wenn man Angst vor etwas empfindet. Wohlgemerkt: Im Bauch, nicht im Kopf!

Also auf Symptome der Verdauung achten! Jedes davon (zuviel oder zu wenig Hunger, Schmerzen, Aufstoßen, Völlegefühl, Verdauung zu schnell oder zu langsam etc) kann ein wichtiger (jedoch nicht zwingender) Hinweis auf eine darunter liegende Angststörung sein. Durch eine Therapie könnte sie früh und zielsicher erkannt und behandelt werden.

Auch die Kopfschmerzen dürfen in dieser Aufzählung nicht fehlen. Vor allem dann, wenn sie wiederholt und lang anhaltend auftreten. Organisch ist hier in den seltensten Fällen etwas zu finden. Natürlich wird geröntgt und MRT gemacht, um nichts außer acht zu lassen, doch damit ist den Patienten nicht geholfen: Die quälenden Schmerzen dauern an. Und allzu oft liegt ein psychisches Problem darunter verborgen, wenn auch nicht immer eine Angststörung.

Geistige Symptome der Angststörung

Konzentrationsstörungen stehen hier an erster Stelle! Sie sollten ebenfalls als Warnung verstanden werden: Fast jeder kennt die klassische Vergesslichkeit, nämlich, dass man in den Keller gegangen ist, und dann nicht mehr weiß, was man dort wollte. Sie kann noch als relativ harmlos eingestuft werden. Dennoch wäre es sinnvoll und nützlich, sich bereits hier zu fragen, mit was sich der Geist denn auf der Kellertreppe beschäftigt hat, und zwar völlig autonom, also ohne unser gewolltes Zutun.

Denn autonome Prozesse sind immer lebenserhaltend und von daher stets vorrangig und wichtiger als Kartoffeln zu holen. Vielleicht haben Sie eine Prüfung am nächsten Tag und versuchten, Ihre Angst davor zu verdrängen? Oder Angst, dem Partner (endlich) eine quälende Information zu nennen? Dann achten Sie einmal auf diese ungünstigen Muster, wo Sie etwas unterdrücken, statt es zu lösen. Wenn Sie das zur Gewohnheit werden lassen, kann sich eine Angststörung daraus entwickeln.

Konzentrationsstörungen als Symptom treten natürlich auch in wichtigeren Situationen auf, z. B. in Ausbildung und Beruf! Wenn man Ihnen alles fünf Mal erklären muss, weil Sie sich die wichtigsten Abläufe nicht merken können, dann gehen Sie Ihren Kollegen bald auf die Nerven. Und auch sich selber, das ist noch viel schlimmer. Bald trauen Sie sich nichts mehr zu und verlieren so den Glauben an Ihre eigenen Fähigkeiten! Nur weil die Angststörung unbewusst so weit fortgeschritten ist, dass Ihr Geist – wieder autonom, also ohne Ihr bewusstes Zutun – dringend nach einer Lösung sucht für die Angst, die Sie vergeblich verdrängen wollen. Damit verschwenden Sie eine Menge Energie, die Ihnen dann für die eigentlichen Aufgaben, z.B. sich etwas Berufliches zu merken, definitiv nicht zur Verfügung steht. Da hilft Kaffee dann auch nicht weiter (oder entsprechende chem. Mittel).

Emotionale Symptome einer Angststörung

Sind Sie manchmal ohne erkennbaren Grund gereizt?
Erschrecken Sie leicht (nur weil ein Gegenstand zu Boden fällt)?
Ist Ihr Partner nicht ordentlich genug?
Leiden Sie unter sog. Zwangssymptomen? Können Sie nicht aus dem Haus gehen im Wissen, dass der Tisch noch nicht sauber abgewischt ist?
Sind sie schnell aus der Fassung zu bringen?
Können Sie Zärtlichkeit nicht richtig genießen? Mit Sexualität oder auch ohne?
Fällt es Ihnen schwer zu lieben? Oder sich lieben zu lassen?

Hinter all diesen Themen kann sich eine Angststörung verbergen! Beantworten Sie sich die Fragen daher aufrichtig. Wohlgemerkt: „Sie sich.“ Sie müssen es ja sonst niemandem mitteilen. Denn je achtsamer Sie mit sich selber umgehen, desto früher erkennen Sie Ihre ganz persönlichen Warnsignale. Und desto besser wird Sie eine Therapie zum Erfolg führen. Vergessen Sie nicht: Angststörungen sind heilbar!

4. Irrtümer zum Thema Angststörung

Kurz zusammengefasst die wichtigsten Irrtümer zum Thema Angststörung:

“Angststörungen wachsen sich von selber aus. Man kann erst einmal abwarten.“
“Angststörungen lassen sich durch Medikamente beheben.“
“Sich bloß nicht mitteilen!“
“Die Kindheit ist schuld an der Angststörung“
“Angststörungen wachsen sich von selber aus. Man kann erst einmal abwarten.“

Natürlich können Sie abwarten. Aber nur wenn Sie ganz bewusst in Kauf nehmen, dass die Psychotherapie um so länger dauert, je später sie beginnt. Die Heilung wird also nicht nur um das Zeitfenster des verspäteten Beginns der Therapie verzögert, sondern zusätzlich deswegen, weil sich die Angststörung auch schwerer behandeln lässt, je länger sie schon bestand.

“Angststörungen lassen sich durch Medikamente beheben.“

Dieser Irrtum ist besonders verhängnisvoll, weil er zunächst nicht erkannt wird: Die sogenannten Anxiolytica bzw. Sedativa unterdrücken zunächst tatsächlich die Symptome der Angststörung; durch die vermeintlich positive Wirkung fühlen sich die Patienten in ihrem (Fehl-)Handeln bestätigt und wähnen sich auf dem sicheren Weg. Der führt jedoch ins Chaos: Erstens wird der Beginn einer Psychotherapie massiv verschleppt, und zweitens handelt man sich mit der Einnahme von angstlösenden Medikamenten das hohe Risiko einer Suchterkrankung ein. Dazu kommt die zunehmende Belastung der körpereigenen Entgiftungsorgane: Um einen gleichbleibenden (Pseudo-)Erfolg zu erlangen, muss die Dosis in vielen Fällen ständig gesteigert werden, bis es einfach nicht mehr weiter geht. Schließlich kommt zur Behandlung der Angststörung und der Sucht noch dazu, dass die Phase des Entzugs überwunden werden muss.

“Sich bloß nicht mitteilen!“

Die Angststörung für sich zu behalten, ist vor allem unter Männern weit verbreitet. Man(n) fürchtet, ausgelacht oder ausgegrenzt zu werden, also heißt die Devise: Die Klappe halten, und zwar um jeden Preis. Auch der Ehefrau wird nichts erzählt, selbst wenn sie die sichtbaren Symptome richtig deutet und sich begründete Sorgen macht.

“Die Kindheit ist schuld an der Angststörung“

Das kann so sein, muss aber nicht. Angststörungen können auch im Erwachsenenalter entstehen. Dies zu entscheiden, sollte aber das Zwischenergebnis (und nicht die Vorwegnahme) einer Psychotherapie sein.

5. Therapiemöglichkeiten bei Angstzuständen

Wenn Sie unter einem (oder mehreren) der oben genannten Symptome leiden, sollten Sie dringend mit einer Therapie beginnen, je früher, je besser.

Ambulante Therapie von Angststörungen

Bei Angststörungen besonders wichtig: Die Chemie zwischen Ihnen und dem Therapeuten muss stimmen! Spüren Sie nach 3 oder 4 Sitzungen genau hin: Konnte der Therapeut Ihr Vertrauen gewinnen? Sie haben richtig gelesen: Gerade bei Angststörungen ist es besonders wichtig, dass der Therapeut Ihr Vertrauen gewinnt! Sie brauchen und sollen sich da nicht anstrengen! Der/die Therapeut/in muss sich auf Sie einstellen, niemals umgekehrt.

Dafür haben die Krankenversicherungen (i. d. R. 5-8) sog. Probe-Sitzungen vorgesehen: Die dürfen Sie unverbindlich nutzen, um zu prüfen, ob der Therapeut Ihnen wirklich zusagt. Seien Sie skeptisch, wenn Sie schon in der 2. Sitzung einen Vertrag unterschreiben sollen. Bei Angststörungen spielt das Vertrauen eine ganz besonders große Rolle in der Therapie, sowohl ambulant, als auch in der Klinik.


Einzelsitzungen in der Klinik bei Angststörungen

Wenn Sie sich für eine stationäre Therapie entscheiden, achten sie vorher darauf, wieviele Einzelstunden Sie erhalten! – Es gibt immer noch Kliniken, wo Sie manchmal nur eine Stunde pro Woche bekommen! Für Sie hat das negative Folgen: Sie investieren kostbare Zeit und bekommen dafür nicht mehr als in einer ambulanten Therapie.

Daher diese wichtige Empfehlung: Wo immer Sie hingehen wollen, halten sie vertraglich fest, dass Sie mindestens 3, besser 4 Einzelsitzungen pro Woche bekommen. Lassen Sie sich das schriftlich geben! Und zwar von ausgebildeten Psychotherapeuten. In der Valere Klinik garantieren wir 5 Psychotherapie-Einzelsitzungen pro Woche.

Vereinbaren Sie weiterhin – ebenfalls schriftlich – dass es während Ihres Aufenthaltes keinen (vorhersehbaren) Therapeutenwechsel geben wird.

Dauer der Therapie bei Angststörungen

Die Dauer hängt immer ab von der Therapiedichte. Ideal sind ca. 10 Einzelsitzungen und ca. 35 Gruppensitzungen. Diese können gestreckt sein auf viele Wochen oder kompakt angeboten werden (2-3 Wochen).

In der Valere Klinik verdichten wir die Therapie auf exakt 11 Tage (zuzügl. je ein halber Tag An- und Abreise). Spüren Sie in Ruhe in sich hinein, was Ihnen lieber ist, und entscheiden Sie dann.

6. Therapieansätze bei Angststörungen

Die besten Therapien bei Angststörungen sind ziel- und potenzialorientierte Verfahren, aber was heißt das?

Zielorientiertes Vorgehen
Potenzialorientiertes Vorgehen
Nachhaltigkeit der Therapie
Wirkungsgrad der Therapie
Einbeziehen des Körpers
Ankern von therapeutischen Erfolgen
Zielorientiertes Vorgehen

Damit ist gemeint: Patient und Therapeut gehen gemeinsam auf ein Ziel zu, z.B. „tiefe Gelassenheit“ oder „erhabene Souveränität“. Das ist sehr wichtig zu verstehen, als Unterschied zu den älteren Verfahren: Dort suchte man stets nach den Defiziten und verbrauchte einen großen Teil der Therapiezeit mit Gesprächen über das Problem der Patienten. Das Wort Angst-„Störung“ gibt davon einen Vorgeschmack. Heute wissen wir durch Forschung und aktuelle Studien, dass der Zielansatz wesentlich rascher, effektiver und spürbarer zum Erfolg führt. Mit anderen Worten: Anstatt „weg von….“ lautet das konstruktive Motto „hin zu…“. Damit wird auch die Bewegung, also die Dynamik, ausgedrückt. Stellen Sie sich bitte vor, Sie gehen von etwas weg: Dann behalten Sie den Grund Ihrer Flucht, also in dem Fall die sog. Angststörung, stets im Auge, und außerdem laufen Sie rückwärts mit der Gefahr zu stolpern. Anders herum: Anstatt „weg von“ laufen Sie auf ein Ziel zu, vielleicht sogar mit erhobenen Armen (das machen wir tatsächlich am letzten Tag in der Klinik, denn das wirkt wahre Wunder), dann spüren Sie sofort den Unterschied: Jetzt sind Sie mit Motivation bei der Sache und entdecken bei sich neue Kraft und andere Kompetenzen.

Potenzialorientiertes Vorgehen

Während wir beim Ziel fragten: „Wo will ich hin?“, geht es bei den Potenzialen um den Ausgangspunkt. Also: „Wo stehe ich jetzt? Von wo aus starte ich?“ Und wenn ich meine heutige Ausgangssituation betrachte, kann ich den Fokus durchaus auf meine Defizite legen, z.B. auf meine Angst-„Störung“, wie das früher lange gemacht wurde. Dieser Fokus hat aber einen entscheidenden Nachteil: Er schwächt mich noch zusätzlich zum eigentlichen Symptom, unter dem ich leide. Mache ich mir aber klar, dass ich als Person trotz aller Gebrechen auch Anteile in mir trage, die ich bewahrenswert finde, nämlich meine Potenziale, dann kann ich förmlich spüren, wie neue Kraft in mich einströmt. Und Kraft wird immer gebraucht, vor allem für Veränderungsprozesse im Rahmen einer Psychotherapie.

Nachhaltigkeit der Therapie

Darauf legen wir in der Valere Klinik ganz besonderen Wert. Dazu ein Beispiel: Es kommt oft vor, dass Patienten sich wegen eines Fehlers selbst entwerten. In den üblichen Therapien würde man das verbal konfrontieren, etwa so.: „Achtung: Sie beschimpfen sich doch gerade selber! Merken Sie das?“ In der Valere Klinik stellen wir das lieber szenisch dar, so dass es nachhaltig wirkt: Der Therapeut geht dann in die Küche, holt sich dort einen Plastikbecher halb voll mit Wasser, kommt zurück und lässt dann bewusst tollpatschig das Tablett fallen, um sich anschließend so „richtig schön beschimpfen zu können, immer mit den gleichen Worten, dann wirkt es noch grotesker, z.B.: „Ach ich Tollpatsch, ich dummer, dummer Tollpatsch, so ein dummer Tollpatsch!” usw., das Ganze möglichst laut und 10 mal wiederholt. In fast allen Fällen (über 90%) sind es dann die Patienten, die laut „aufhören“ rufen. Ohne Ratschlag, ohne Erklärung. Und diese Szene wirkt lange nach, also: gelebte Nachhaltigkeit.

Wirkungsgrad der Therapie

Die Erfahrungen in der Klinik graben sich wie von selbst ein, so dass mit geringstem Aufwand ein Maximum an Therapiegewinn erzielt wird. Nehmen Sie das Beispiel mit dem Becher Wasser: Der Aufwand ist gering: nur einen Becher Wasser holen und verschütten. Ohne lange Erklärungen oder gar Ermahnungen (das gibt es immer noch in der Psychotherapie). Einfach so. In kürzester Zeit haben wir einen wunderbaren Effekt erzielt, nach dem Motto: kleiner Einsatz – große Wirkung! So wird moderne Psychotherapie gleichzeitig leicht und kraftvoll erlebt. Das belebt und baut auf. Nebenbei haben wir so eine Fokussierung auf das Hier und Jetzt, indem wir die Sache spitz auf den Punkt bringen.

Einbeziehen des Körpers

Der Körper, in vielen Psychotherapien in eine Nebenrolle verbannt, spielt in der Valere Klinik eine zentrale Rolle: Ob ich in der Szene mit dem Chef aufrecht stehe oder gebückt, das hat sofort eine Auswirkung! Deswegen widmen wir diesen Empfindungen sehr viel Ruhe und Zeit. Dadurch wird die Therapie sehr effektiv. Ob ich meinem Chef mit lauter oder mit leiser Stimme sage: „Ich fühle mich ungerecht behandelt!“, das macht einen großen erlebbaren Unterschied! Die Folge: Wo die Patienten vorher noch Angst spürten und die Situation umgehen wollten, wächst jetzt Neugier und manchmal sogar der brennende Wunsch, es sofort auszuprobieren. Dann weicht die Angst und macht einer tiefen Selbstsicherheit Platz.

Ankern von therapeutischen Erfolgen

Bezogen auf das Beispiel Chef fragen wir die Patienten: „Um sich konkret an Ihre Kraft zu erinnern, würden Sie lieber einen roten oder einen blauen Kugelschreiber in das Gespräch beim Chef mitnehmen? Oder etwas ganz anderes? Eher etwas, das Sie sehen, oder etwas, das Sie ertasten können?” Für was die Patienten sich dann schlussendlich entscheiden, spielt natürlich keine Rolle. Wichtig ist nur, dass sie sich später in der konkreten Situation auch an ihre sog. „tools“ erinnern. Das Ankern ist einer der wichtigsten Bausteine der erfolgreichen Psychotherapie geworden.

7. Beispiele von Elementen der Angsttherapie

Szenische Darstellung
Aufstellungsarbeit
Seine Grenzen spüren und verteidigen
Arbeit mit dem inneren Kind (auch “Teile-Arbeit“ genannt)
Den Erfolg messen und sicher stellen
Szenische Darstellung

Der Vorteil wird sofort spürbar: Wenn wir etwas darstellen, anstatt nur darüber zu sprechen, kommt Leben und Kraft ins Spiel, nach dem Motto: Wenig Theorie, viel Praxis! Daher bringen wir in der Valere Klinik die Anliegen der Patienten so schnell wie möglich in eine Szene hinein. Anstatt über die sog. Angststörung nur zu sprechen, stellen wir eine typische Situation im Therapieraum dar. Beispiel: Angst vor dem Chef. Dann wird sofort alles erlebbar, vor allem auch die unterschiedlichen Rollen: Als Patient kann ich in die eigene Rolle schlüpfen, aber genauso auch in die Rolle des Chefs oder in die Rolle des Zuschauers, der sich die Szene, von anderen Patienten dargestellt, in Ruhe von außen anschauen kann.

Jetzt wird die Szene nicht nur mit Worten beschrieben (also was alles passiert ist), sondern ganz konkret gesehen, gehört und gefühlt, also erlebt und durchlebt. Mit allen Körperreaktionen, im Hier und im Jetzt.

Und auch die Lösungen werden am eigenen Leib gespürt und geprüft. Somit werden Erklärungen und Ratschläge vollkommen überflüssig. Gelebte Lösungen pur statt theoretischer Erklärungen – und dadurch hoch effiziente Therapie!

Das sind keine “Rollenspiele”, auch kein Psychodrama, wo man ein komplettes Gespräch abbilden würde. Sondern: der Patient schildert einen  bedrückenden oder Angst auslösenden Dialog, privat, oder beruflich, der schon mehrfach vorkam, und – so die krankmachende Befürchtung – auch in Zukunft wieder ansteht.

Dieses Szenario hat sich zu einem Muster ausgewachsen, das in der jeweils aktuellen Situation schmerzt und darüber hinaus Angst vor der Zukunft auslöst. Diese Angst quält den Patienten aber schon in der Gegenwart. Jeder dieser Dialoge beinhaltet einen kränkenden Kerngedanken, entweder konkret ausgesprochen oder unterschwellig vermittelt. Beispiel: “Sie müssen mehr denken bei Ihrer Arbeit! Gehen Sie endlich intelligent vor!”

Dieser Kern wird herausdestilliert; der inhaltliche Rest ist unwichtig. Die “Sachthemen” waren ja nur der Aufhänger für das unglückliche Gespräch. Hier geht es jetzt rein um die Menschlichkeit, um die Kultur des Gesprächs, um die unfaire Demütigung oder Bedrohung.

In der szenischen Therapie fokussieren wir also sehr spitz auf diesen einen Satz des Chefs. Dazu entwickeln wir eine sinnvolle Antwort, die die eigene Würde wiederherstellt, z.B.: “Auch bei vermeintlichen Fehlern unterstellen Sie mir bitte, dass ich sinnvoll vorgehe.”

Der “Chef”, dargestellt durch den Therapeuten oder durch einen anderen Patienten, wiederholt ständig seinen untauglichen Vorwurf. Und der Patient (oder bei den sog. “Aufstellungen” dessen Stellvertreter) antwortet ebenfalls immer mit dem gleichen Satz (siehe Beispiel oben). Dabei achten wir auch auf die Körpersprache: Haltung, Gesicht, Stimme, Handbewegungen, etc. (siehe auch unter “körper….”)

Oft kommt es vor, dass die Patienten im Laufe dieser Therapieeinheit nicht mehr den Chef, sondern eine strenge Person aus der Kindheit vor sich sehen. Das ist eine gute Gelegenheit, in die hocheffektive Arbeit mit dem sog. “inneren Kind” einzusteigen (siehe dort).

Ebenso häufig bringen sich die Darsteller dieses therapeutischen Dialogs (in dem Fall Chef und Angestellter) selber mit ein. Beispiel: Der “Chef” sagt: “ja, in Ordnung….” oder auch: “kommt nicht rüber! Klingt wie auswendig gelernt.”

Dann gehen wir therapeutisch den nächsten Schritt und lassen den “Angestellten” sagen: “Hören Sie, ich gebe mein Bestes, ist das klar?”, ebenfalls mehrfach wiederholt. Gemeinsam arbeiten wir dann mit diesem Satz weiter, bis er nicht mehr als Lippenbekenntnis, sondern als kraftvoll und konturiert erlebt wird. Und zwar von beiden Seiten: Von innen heraus beim Patienten und ebenso beim jeweiligen Gegenüber. Der Therapeut erkundigt sich also fortwährend beim Patienten nach der inneren Reaktion: Was spüren Sie, wenn Sie diesen Satz laut aussprechen? Wenn Sie ganz gerade stehen? Wenn Sie die Arme vor der Brust verschränken? Wenn Sie einen Fuß nach vorne setzen? usw.

Wohlgemerkt: Der Therapeut fragt den Patienten. Konkret: Nichts wird vorweggenommen, nichts wird “besser gewusst”, die Frage ist immer aufrichtig gemeint. Keine Haltung und keine Lautstärke ist per se besser als eine andere, definitiv nicht, sondern der Patient entscheidet ganz souverän, was sich besser anfühlt und was schlechter. Und darauf stellt sich der Therapeut mit seinem nächsten Therapieangebot dann ein. Noch einmal: Die Therapeuten stellen sich auf die Reaktionen der Patienten ein, niemals umgekehrt.

Zunächst erscheint das Procedere erst einmal unangenehm, sogar anstrengend. Zum Glück nur für eine kurze Zeitspanne. Denn schon nach wenigen Minuten der Therapie stellt sich dann das gewünschte Gefühl ein, z. B. Sicherheit oder Gelassenheit. Dieser Teil der Therapie fühlt sich eher an wie ein Training: Der Patient steht im Mittelpunkt: Mit seinen Gefühlen und Handlungen. Mit den neu erworbenen sog. “tools”, in diesem Fall, sich ab sofort (!) wehren zu können gegen unfaire Angriffe.

Aufstellungsarbeit

Bei Angststörungen können auch professionell durchgeführte Aufstellungen viel Wertvolles beitragen, um die Psychotherapie erfolgreich abzuschließen. Als Pioniere dieser therapeutischen Methode machten sich mehrere Persönlichkeiten einen Namen: Der österreichische Arzt Jakob Moreno  (Psychodrama), Virginia Satir (Familienskulptur), Milton H. Erickson (kultursystemische Betrachtung), Bert Hellinger (Schüler von Thea Schönfelder: “Familienstellen”, bis heute in der Fachwelt umstritten), Salvador Minuchin (Strukturelle Familientherapie).

Seine Grenzen spüren und verteidigen

Bei Angststörungen hocheffektiv und leicht durchführbar. Ein Beispiel aus der Gruppentherapie:  Pat. A stellt sich auf einen kleinen, runden Teppich, ca. 1m Durchmesser. Dieser Teppich symbolisiert die persönlichen Grenzen von A und darf ohne Erlaubnis von A nicht betreten werden. Pat. B hat die Aufgabe, diesen Bereich zu verletzen und setzt dazu provokativ einen Fuß auf den Teppich. Soweit die Regievorgabe.

A verweist nun B aus seinem Bereich, durch Worte, Gestik, Mimik, Körperhaltung, festen Blick usw. Das wichtigste dabei: A zeigt seinem inneren Kind damit, dass es ab sofort wirkungsvoll beschützt wird. Ein gesundes Schutzempfinden ist das beste Mittel bei Angststörungen. Vor allem, weil dieses Empfinden nicht von außen gemacht wurde (durch Medikamente oder Drogen), sondern A das selber bewerkstelligt hat. Und das sorgt nachhaltig für Selbstvertrauen.

Arbeit mit dem inneren Kind (auch “Teile-Arbeit“ genannt)

Bei jeder Angststörung spielt das sog. “innere Kind” eine wichtige Rolle.

Warum eigentlich? Ganz einfach: Wenn wir Angst haben, sind wir in der Regel nicht mehr die erwachsene Person mit unserem aktuellen Alter und Bewusstsein, sondern fühlen uns hilflos und überfordert wie ein Kind mit 5, 8 oder 12 Jahren. Unter dem sog. “inneren Kind” verstehen die Psychologen diesen Teil unseres Unbewussten, der bei einer Bedrohung automatisch anspringt. Im Klartext: Wir tragen diesen Teil unserer Persönlichkeit lebenslang in uns, unabhängig davon, ob wir ihn gerade spüren oder nicht. Man hat den Ausdruck “inneres Kind” bewusst gewählt, weil er an die Schwangerschaft erinnert und dadurch sehr anschaulich wird. Jeder weiß sofort, was damit gemeint ist.

Bei der Therapie von Angststörungen geht es im Wesentlichen darum, das innere Kind von der Bürde zu befreien, für die Gesamtpersönlichkeit zuständig (und damit überfordert) zu sein. Fast immer lässt sich in der Biographie eine für das Kind bedrohliche oder schambesetzte Situation finden, die noch nicht geheilt ist. Also ermuntert man die Patienten, in der Vorstellung als erwachsene (!!) Person von heute die Szene von damals zu betreten und das eigene innere Kind zu befreien. Innerhalb weniger Minuten lässt die Angst spürbar nach, ein wohltuendes Gefühl der Sicherheit stellt sich ein. So werden Angststörungen an der Wurzel angepackt und aufgelöst.

Den Erfolg messen und sicher stellen

Beides ist uns in der Valere Klinik sehr wichtig: Zu Beginn einer Therapie-Einheit fragen wir die Patienten nach dem Ausmaß ihrer Angststörung: „Wenn Sie den Schweregrad in Zahlen ausdrücken könnten, z.B. auf einer Skala von 1 bis 10; dabei wäre 1 ganz gering und 10 das Schlimmste, was möglich ist, wo auf der Skala würden Sie sich jetzt aktuell einstufen?“

Die gleiche Frage stellen wir 50 min später. So gut wie immer ergibt sich eine spürbare Verbesserung zwischen einem und drei Skalenpunkten, manchmal auch vier oder fünf. Der Erfolg wird also im Jetzt erarbeitet, im Jetzt gespürt und im Jetzt gemessen. Nichts motiviert uns Menschen mehr, als Erfolg zu haben. Gerade bei der Therapie von Angststörungen ist das besonders wichtig: Der Erfolg gibt Mut und Kraft, um in der Therapie zügig voranzukommen.

 

 

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